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Vom Modell zur Bronze #2 Die Vorbereitung

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Vom Modell zur Bronze
2. Die Vorbereitung

So jetzt bin ich also mit dem Hockenden in der Gießerei angekommen.  Der Hockende sitzt auf der Werkbank. Man könnte meinen, er schaut sich um und harrt der Dinge, die da kommen. Etwas mulmig vielleicht, sieht er auf ein Regal mit Silikonformen von Modellen, die es schon hinter sich haben. Bald wird auch er sich in eine Bronze verwandeln.

Modell zur Bronze   Kalkulation

Eine einfache stehende Figur, wie z.B. der Adam lässt sich relativ einfach abformen. Man benötigt lediglich zwei Schalen für die Vor- und die Rückseite. Eine komplizierte Figur, wie den Hockenden kann man kaum im Ganzen abformen. Das Modell muss daher zunächst in einfachere Teile zerlegt werden. Das macht die Sache arbeitsaufwändiger und natürlich auch teurer. Rico Rensmeyer, Bildhauer, Gießer und einer der Inhaber der Gießerei Flierl kalkuliert den Aufwand. Der Hockende und ich schauen ihm dabei zu und warten auf die Diagnose. Das Kostenverhältnis zwischen Abformen und Bronzeguss ist bei einfachen Figuren etwa 1/5 zu 4/5. Beim Hockenden wird sich dieses Verhältnis wegen der aufwändigeren Vorbereitungs- und Abformarbeiten verschieben in Richtung 2/5 zu 3/5. Es werden insgesamt fünf einzelne Silikonformen hergestellt werden. Irrtümlicherweise wird oft angenommen, dass die Bronze selbst der ausschlaggebende Kostenfaktor beim Bronzeguss ist. Bei einem Kilopreis um die 16€/ fällt der reine Materialwert der Bronze dagegen kaum ins Gewicht.

   

   

Wie erwartet muss die Figur zerlegt werden. Die Gliedmaßen müssen vom Rumpf getrennt werden, damit man sie einzeln in Silikon abformen kann. Mit einer äußerst dünnen Trennscheibe amputiert Rico Arme und Beine. Sie geht sauber durch die Modelliermasse aus Zellulose und die stützende Armatur aus Aluminiumdraht.

Anschließend werden die einzelnen Teile auf extrem untergriffige Stellen, Öffnungen und Fehlstellen untersucht, durch die das Silikon in die Figur laufen würde. Sie werden mit Wachs geschlossen oder anmodelliert. Diese Stellen können am Wachsmodell später wieder geöffnet werden.

   

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So amputiert sieht der Hockende ganz anders aus. Er hat schon etwas gelitten und liegt wie ein Kranker auf dem Schaumstoff. Es ist (schon fast) eine neue Skulptur entstanden.

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