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Uwe Carow

Regelmäßig veröffentliche ich auf dem  Red Bug Culture Blog kurze Prosatexte.

Künstler ohne Werk

Autofictional Shorts

Im Prozess des Erinnerns, des Erzählens, des Wiedererzählens, des Aufschreibens, des Überarbeitens entsteht Erinnerung neu. Jedesmal. Genauso wie im Vergessen, Verdrängen, Auslassen, Streichen, Verschieben, Verdichten, Übertreiben und Erfinden. So kann, hoffe ich, in den verdichteten Texten eine neue bisher unbekannte »Wahrheit« zum Vorschein kommen.
Viele dieser Shorts stehen in Zusammenhang mit meiner künstlerischen Arbeit, die zu der Zeit entstanden ist, von der der jeweilige Text handelt.

Im Dunkeln zu Hause

Erzählung in progress.

Der junge Student träumt sich in die warme Geborgenheit, die er unter Tage erlebt, als er mit dem Abbauhammer im Streckenvortrieb liegt. Eins mit der warmen Erde, aufgehoben im Lärm. Im Dunkeln zu Hause. Er steigt noch einmal in den Schacht und trifft dort unten nicht nur Vorfahren und verlorene Freunde, die im Dunkeln geblieben sind, sondern auch Hüseyin, seinen Kumpel und Mentor, der sich vergeblich in die Düfte Anatoliens zurückträumt. Hüseyin ist einfach da, nickt ihm zu, läßt ihn sein.

Auf der anderen Seite

Traumtexte.

Nachts mit dem Bleistift skizziert, am Tag vertextet. Keine Selbstanalyse. Keine Traumdeutung. Es geht einzig um die Wirklichkeit der Bilder.

Das Problem des Schriftstellers, überhaupt des Künstlers, ist doch, daß er sein ganzes werktätiges Leben versucht, auf das poetische Niveau seiner Träume zu kommen.
(Heiner Müller)

Es gab keinen Beweis, dass er, wenn er wach war, wach war, und keinen Beweis, dass er, wenn er träumte, träumte.
(Werner Herzog)