Wachsmodell

Vom Modell zur Bronze #5 Das Wachsmodell

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Vom Modell zur Bronze

Heute geht es um die Herstellung des Wachsmodells für einen Bronzeguss. Das gesamte Verfahren heißt ja schließlich Wachsausschmelzverfahren. Der Name deutet schon an, dass auch von dem Wachsmodell am Ende nichts übrig bleiben wird.

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Die Silikonformen sind hervorragend gelungen. Die Modellstücke sind präzise abgeformt. Sie können jetzt entfernt werden.Wenn alle Modellstücke aus der Silikonform gehoben sind, wird die Silikonform selbst noch einmal von allen Modellrückständen mit Pinseln oder Druckluft befreit. Dann wird die Form mit zunächst sehr heißem Formwachs ausgepinselt. Sehr heiß deswegen, damit der dünnflüssige Wachs in jede Pore der Form fließt. Danach wird Schicht um Schicht etwas kühlerer Wachs aufgetragen.

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Bei kleinen Modellstücken, wie dem Ärmchen hier im unteren Bild wird das Wachsmodell massiv ausgegossen. Das heißt, die Formhälften werden wieder übereinandergelegt und mit Wachs gefüllt. Hier sieht man sehr schön den kleinen Steg, zwischen Daumen und Arm, der dafür sorgt, dass Luftblasen nach oben entweichen können und sich keine Hohlräume und Fehlstellen bilden.

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So hier liegen alle Teilstücke in Wachs vor. Sie könnten jetzt einzeln gegossen werden und dann erst als Bronze wieder zusammen zusammeneschweißt werden. Bei der einer ralativ kleinen Figur bietet es sich aber an die Wachsteile wieder zu der vollständigen Figur zusammenzusetzen und sie dann in einem Stück zu gießen. Dass hat meines Erachtens den Vorteil, dass ich die präzise Haltung der Figur im Wachs einfacher wieder herstellen kann, als in Bronze. Dort müßt unter Umständen geschliffen werden und die Teile per Hand oder mit Zwingen sehr präzise aneinandergesetzt werden. Möglich, aber umständlich.

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Zunächst werden die einzelnen Wachsstücke jetzt „ziseliert“. Eventuell vorhanden kleine werden Luftbläschen gefüllt und Überstände an den Formnähten entfernt und anmodelliert. Das geht am besten mit heißen sculpting tools. Ich verwende auch gerne altes Zahnarztbesteck vom Flohmarkt.

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Sind alleTeile sauber ziseliert, werden sie mit heißen Messern „aneinandergeschweißt“.

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Der Korpus der Figur ist hohl. Zum einen zur Material- und Gewichtersparnis, zum anderen, weil Bronze beim Erkalten schrumpft. Ein massiver Bronzekorpus würde natürlich prozentual mehr schrumpfen als eine dünne Bronzeschicht. Eine Schicht von vier bis fünf Millimetern ist ideal. Dazu wird die Silikonform wie oben beschrieben zunächst mit heißem Wachs eingepinselt und dann mit kühlerem Wachs solange ausgeschwenkt, bis die gewünschte Wandstärke erreicht ist. Erinnert ein wenig an einen Schokoladenweihnachtsmann. Um den feueresten Schamottkern in die Wachsform gießen zu können, werden Öffnungen in den Wachskorpus geschnitten. Die entfernten Teile werden aufgehoben, gegossen und später, nachdem der Schamottkern vollständig aus dem Bronzekorpus entfernt worden ist, wieder passgenau eingeschweißt.

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Dass „Zusammenschweißen“ der Wachsstücke ist eine Fummelarbeit, die viel Geduld fordert. Es kommt darauf an die Figur wieder millimetergenau zusammenzusetzen. Gerade bei einer dermaßen ausdrucksstarken Figur ändert jede kleine Verschiebung der Achsen oder Winkel die „Emotion“. Zu stolz, oder gar arrogant, bis zu trauernd oder gar depressiv. Ich bin froh, dass wir die gelassene Haltung des Hockenden wieder genauso hinbekommen, wie ich (oder er selbst) es wollten. Danke Rico für deine Geduld.

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Bis zur Weiterverarbeitung wird die Figur, wie auf dem Beitragsbild zu sehen, im Wasser aufbewahrt.

 

 

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