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MÖNCHSESSIONS

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Skulpturen

DIE MÖNCHSESSIONS


Jetzt sind also in mehreren intensiven Sessions die Mönche entstanden. Völlig anders geplant, haben sie ihr Eigenleben entwickelt, sich immer mehr von der Vorstellung entfernt, die ich zunächst im Kopf hatte. Der Entstehungsprozess war ein ständiger Dialog zwischen dem Material, meiner Vorstellung, meinem Körpergefühl und noch irgendetwas anderem, das die Skulpturen geformt hat. Ein ständiges Schauen, Abwarten, Formen, Hinhören. Wobei das aufmerksame Hinhören meiner Meinung nach das Wichtigste bei allen schöpferischen Tätigkeiten ist. Ob man einen Song schreibt, einen Roman, ob man malt, einen Film dreht oder ein Kind erzieht: hinhören ist immer das Wichtigste. Wenn man abgewartet hat, bis etwas entstehen will, dann anfängt zu arbeiten, aufrichtig bleibt und aufmerksam ist, bahnt sich die Kunst ihren Weg. Denn wahrhaftig steckt die Kunst in der Natur, wer sie heraus kann reißen, der hat sie, hat Albrecht Dürer 1528 in seiner Proportionslehre geschrieben. Und er hat aufmerksam hingehört.

Dein Song, deine Romanfiguren, deine Skulpturen, deine Kinder, sie wissen, was sie wollen. Und sie haben dir etwas zu sagen, was du vorher nicht wusstest. Wenn du schaffst, ihnen Raum zu geben, sich zu entwickeln, entsteht etwas, das ohne dich nicht erscheinen würde. Durch das genaue Hinschauen, das aufmerksame Hinspüren und vor allem das ruhige Hinhören entsteht eine meditative Form von Awareness, aus der Neues entstehen kann. Etwas, von dem man vorher nicht wusste, das es möglich sein könnte. Etwas, das über das hinausgeht, was man sich vorstellen konnte. Das ist in meinen Augen künstlerische Arbeit, das ist schöpferischer Prozess. Das bringt die Welt voran.

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Das über die Armatur geworfene Papier sollte zunächst nur das Volumen für die Figur angeben. Mit der aufgetragenen Wachsschicht wollte ich die Abformbarkeit sichern und die Möglichkeit sicherstellen, die Figuren in Bronze gießen zu lassen. Beides hat seinen Platz behauptet. Genauso wie die anderen Materialien und der Draht, der den feuchten Gips in Form halten sollte. Schon mit dem Seitenschneider in der Hand – stop – wirklich abtrennen? Nein. Ich höre es deutlich, der Draht will nicht abgeschnitten werden. Okay, dein Wille geschehe. Er bleibt. Was ist der Draht jetzt? Ein Heiligenschein? Gedankenenergie? Ein Aurafeld? Ein Draht, der den Gips in Form halten sollte, dafür aber nicht mehr gebraucht wird? Ich weiß es nicht, man weiß es nicht.

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Die Mönche waren für den Bronzeguss geplant, aber sie haben in Papier, Wachs, Greenstuff, Dispersionsspachtel, Plastiform, … ihre endgültige Form gefunden. Sie widersetzen sich einem Guss in Bronze. Sie sind echte Mixed-Material-Skulpturen.

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